Diese Frage rückte Ralph Wassermann, Leiter Konstruktion und Entwicklung für den Bereich Hydraulik-Ventiltechnik-Automotive, in den Fokus bei seinem Fachvortrag auf dem Internationalen Fluidtechnischen Kolloquium (IFK) in Aachen vom 9.–11. März 2026.

Foto: Experte Ralph Wassermann live beim Vortrag auf dem IFK.
Unter dem Titel „High efficient Hydraulic Actuator Valve Sensor Unit without dedicated hydraulic supply“ zeigte Herr Wassermann, wie innovative Konzepte in der Elektrohydraulik die Effizienz und Zukunftsfähigkeit moderner mechatronischer Systeme entscheidend verbessern können - und welche Chancen das für mechatronische Anwendungen v.a. im Automotive-Bereich eröffnet. Damit brachte er wertvolle technische Impulse in eine der wichtigsten internationalen Fluidtechnik Konferenzen ein.
Unsere Teilnahme am IFK unterstreicht unseren Anspruch, technologische Innovationen aktiv voranzutreiben und neue Impulse für die Branche zu setzen.
Im Experteninterview mit MSM bot Herr Wassermann im Nachgang interessante Einblicke in seinen Fachvortrag auf dem IFK 2026:
Herr Wassermann, was war die zentrale Fragestellung und initiale Idee?
Ralph Wassermann: "Wir wollen unsere hydraulischen Systeme und Aktuatoren stets effizienter gestalten – sowohl technisch als auch wirtschaftlich.
Gute Lösungen sind einfach: Was haben wir bereits? Worauf können wir verzichten?
Was lässt sich weiterentwickeln? Und zwar nicht durch das Hinzufügen weiterer Bauteile. Viele Systeme verfügen über eine Energiequelle, die Fluide bewegt.
Häufig sind diese Antriebe (z. B. Pumpen) nicht primär dafür ausgelegt, hydraulische Aktuatoren zu versorgen. Dennoch können sie für einen begrenzten Zeitraum den Druck auf ein ausreichend hohes Niveau erhöhen („boosten“)."
Was bedeutet dieser Ansatz konkret für den Nutzen und die Ziele unserer Kunden?
Ralph Wassermann: "Unser übergeordnetes Ziel lässt sich klar zusammenfassen: effizienter, kompakter und skalierbarer zu werden.
Konkret bedeutet das, dass wir Lösungen entwickeln wollen, die leistungsstärker, kompakter und robuster sind als vergleichbare elektrische Aktuatoren. Gleichzeitig reduzieren wir die Systemkomplexität deutlich im Vergleich zu klassischen Hydrauliksystemen, was sich unmittelbar positiv auf Integration, Betrieb und Wartung auswirkt.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Skalierbarkeit. Unser Ansatz ist nicht auf eine einzelne Anwendung beschränkt, sondern bewusst so ausgelegt, dass er sich auf unterschiedliche Märkte und Einsatzbereiche übertragen lässt – von Automotive und Truck über Aerospace und Defense bis hin zu industriellen Anwendungen.
Dabei verlieren wir nie den wirtschaftlichen Aspekt aus den Augen. Denn Ressourcenschonung und Kosteneffizienz sind für uns entscheidende Faktoren, sowohl in der Entwicklung als auch über den gesamten Lebenszyklus des Systems.
Nicht zuletzt spielt die Sicherheit eine zentrale Rolle. Durch die permanente Überwachung der Aktuatorposition sowie des Zustands der mechanischen Verriegelung schaffen wir maximale Transparenz und Zuverlässigkeit. Gleichzeitig stellen wir sicher, dass die Lösung die Anforderungen an die funktionale Sicherheit gemäß ISO 26262 erfüllt.
Kurz gesagt: Wir bieten unseren Kunden eine technisch überlegene, wirtschaftlich attraktive und zukunftsfähige Lösung, die sich flexibel an unterschiedliche Anforderungen anpassen lässt."
Welche Lösung haben Sie mit Ihrem Team für diese vielfältige Zielsetzung entwickelt?
Ralph Wassermann: “Wir haben die High-efficient Hydraulic Actuator Valve Sensor Unit (HAVSU) ohne dedizierte hydraulische Versorgung entwickelt und diese bereits in der Praxis im Einsatz.”

Foto: Die High-efficient Hydraulic Actuator Valve Sensor Unit (HAVSU) ohne dedizierte hydraulische Versorgung.
Wie äußert sich dieser Praxiseinsatz konkret in realen Anwendungen?
Ralph Wassermann: "Unsere HAVSU überzeugt beispielsweise in ihrer Anwendung als Aktuator der Parksperre im Next‑Generation‑E‑Drive „SELECT“ bei ZF. Durch Innovationen und eine ausgeklügelte Systemoptimierungsstrategie erreicht dieser E-Drive einen maximalen Wirkungsgrad von 96,3 Prozent. (Quelle: ZF)
Praxisbeleg und -relevanz heißt für uns auch: Im Einklang mit unserem MSM‑Qualitätsanspruch und angesichts der hohen technischen sowie funktionalen Anforderungen wurde die HAVSU im Vorfeld umfassend validiert und intensiv geprüft."
Da Sie von intensiven Tests und fundierten Validierungen sprechen: Welche Leistungsdaten und Testergebnisse belegen die Performance und Zuverlässigkeit der HAVSU?
Ralph Wassermann: "Die Ergebnisse unserer Prüfungen sprechen hier eine klare Sprache: die umfangreichen Prüfungen liefern einen klaren Nachweis für die Leistungsfähigkeit und Robustheit der HAVSU. Die Testergebnisse zeigen, dass der Kühlmittelfluss innerhalb von weniger als einer Sekunde zuverlässig begrenzt werden kann. Der eigentliche Schaltvorgang erfolgt dabei in unter 0,3 Sekunden, was die hohe Dynamik des Systems bestätigt.
Ein vollständiger Testzyklus – bestehend aus Ausfahren, freier Strömung mit einem Druckverlust von unter 0,1 bar sowie anschließendem Einfahren – liegt bei unter drei Sekunden.
Besonders relevant für den Serieneinsatz ist dabei, dass zu keinem Zeitpunkt negative Auswirkungen auf das Thermomanagement festgestellt wurden. Die HAVSU erfüllt damit die hohen funktionalen Anforderungen und bestätigt ihre Eignung für anspruchsvolle Anwendungen unter realen Betriebsbedingungen."
Wie würden Sie zusammenfassend die zentralen Vorteile dieser Innovation für unsere Kunden beschreiben?
Ralph Wassermann: "Die HAVSU bietet eine Kombination aus hoher Leistungsfähigkeit, Effizienz und Systemvereinfachung. Dank der hydraulischen Verstärkung wird eine besonders hohe Kraftdichte erreicht, wodurch kompakte Aktuatoren mit hoher Lastkapazität realisiert werden können. Dies ermöglicht leistungsstarke Lösungen bei gleichzeitig reduziertem Bauraum.
Ein wesentlicher Vorteil liegt in der hohen Energieeffizienz: Durch die Nutzung in Systemen ohnehin vorhandener Fluidkreisläufe lassen sich sowohl der Installationsaufwand, die Systemverluste als auch der Gesamtenergieverbrauch nachhaltig minimieren.
Für zusätzliche Sicherheit sorgt die integrierte mechanische Verriegelung. Diese gewährleistet eine zuverlässige Positionshaltung des Aktuators ohne kontinuierliche Energiezufuhr und erhöht damit sowohl die Betriebssicherheit als auch die Effizienz im Stillstand.
Darüber hinaus ist die HAVSU konsequent auf Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit ausgelegt. Die Lösung ist kleiner und leichter, kommt ohne per‑ und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) und seltene Erden aus und trägt durch den reduzierten Material- und Energieeinsatz zu einem geringeren CO₂‑Fußabdruck bei.
Nicht zuletzt überzeugt die HAVSU durch eine vereinfachte Systemarchitektur. Der Verzicht auf dedizierte (im Sinne von speziell dafür vorgesehene) Hydrauliksysteme ermöglicht eine deutlich schlankere Integration und macht die Lösung besonders geeignet für elektrifizierte und hybride Plattformen."
Herzlichen Dank für das Interview, Herr Wassermann!
Zu unserem Experten:

Ralph Wassermann schloss 2006 sein Studium des Maschinenbaus mit der Spezialisierung auf Feinwerktechnik und Fluidsysteme ab. Seine frühe berufliche Tätigkeit konzentrierte sich auf elektro-pneumatische Mikroventile und legte den Grundstein für seine Expertise im Bereich miniaturisierter Aktuatortechnologien.
Heute führt er als Leiter Konstruktion und Entwicklung für den Bereich Hydraulik-Ventiltechnik-Automotive bei MAGNET-SCHULTZ die Entwicklung innovativer elektromagnetischer Komponenten und Systeme für anspruchsvolle industrielle Anwendungen. Seine Arbeit schlägt die Brücke zwischen theoretischen ingenieurwissenschaftlichen Prinzipien und praxisnahen, serienreifen Lösungen. Dabei bringt er seine Fähigkeit ein, mechanische Konstruktion mit Fluiddynamik und elektromagnetischer Funktionalität zu verbinden, und treibt so die Entwicklung kompakter, energieeffizienter Aktuatoren mit hoher Zuverlässigkeit und Präzision voran. Mit einem starken Fokus auf Qualität, Funktionalität und Systemintegration stellt er sicher, dass jedes Produkt höchsten technischen Anforderungen genügt und zugleich kostenbewusst sowie ressourcenschonend umgesetzt wird.
Ralph Wassermanns ingenieurwissenschaftliche Philosophie verbindet tiefgehendes technisches Know-how mit strategischem Denken und einer großen Leidenschaft für Innovation.
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